Urlaub von der Pflege - Wie Angehörige entlastet werden können

Rund 2 Millionen Deutsche betreuen ein pflegebedürftiges Familienmitglied zu Hause. Das ist nicht nur ein Fulltime-Job, die Pflege von Angehörigen ist vor allem physisch und psychisch sehr anstrengend. Damit die Pflege nicht zur Erschöpfung oder gar zu einem Burnout führt, haben pflegende Angehörige Anspruch auf Urlaub – das ist wichtig und gut so und sollte auch in Anspruch genommen werden.


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Macht eine private Pflegeperson Urlaub oder ist sie durch Krankheit vorübergehend an der Pflege gehindert, kann der Pflegebedürftige eine Ersatz- oder Verhinderungspflege bekommen. Unabhängig von der Pflegestufe beteiligt sich die Pflegeversicherung an den Kosten einer Ersatzpflege für maximal 6 Wochen pro Kalenderjahr. Der Höchstbetrag dafür beläuft sich auf 1.612 Euro. Voraussetzung ist, dass die private Pflegeperson den Pflegebedürftigen bereits mindestens 6 Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat.


 

Wer kann die Verhinderungspflege übernehmen?

Die Verhinderungspflege kann durch einen ambulanten Pflegedienst, Angehörige, Freunde oder Nachbarn erbracht werden. So kann der Pflegebedürftige in seiner gewohnten Umgebung bleiben. Alternativ kann die Ersatzpflege auch in einer vollstationären Pflegeeinrichtung stattfinden.

 

> Wird die Verhinderungspflege von einem ambulanten Pflegedienst übernommen oder in einer Einrichtung wie z.B. Schule, Internat oder Wohnheim für behinderte Menschen durchgeführt, werden Rechnungen bis zu 1.612 Euro für längstens 42 Kalendertage pro Kalenderjahr übernommen.

> Bei Ersatzpflege durch entfernte Verwandte, Freunde oder Nachbarn ist generell von erwerbsmäßiger Pflege auszugehen. Eine Erstattung der pflegebedingten Aufwendungen ist auf Nachweis ebenfalls bis zum Höchstbetrag für längstens 6 Wochen möglich.

> Wird die Ersatzpflege durch einen nahen Angehörigen oder ein Mitglied des Haushalts übernommen, ist die Erstattung auf den 1,5-fachen Betrag des monatlichen Pflegegeldes der festgestellten Pflegestufe begrenzt. Wenn in diesem Fall notwendige Aufwendungen der Pflegeperson (zum Beispiel Fahrkosten oder Verdienstausfall) nachgewiesen werden, kann die Leistung auf bis zu insgesamt 1.612 Euro aufgestockt werden

 

 

 

Kann auch das Kurzzeitpflege-Budget mit angerechnet werden?

Seit dem 1. Januar 2015 besteht die Möglichkeit, die Leistungen der Verhinderungs- und der Kurzzeitpflege miteinander zu kombinieren. Bis zu 50 % des für die Kurzzeitpflege zur Verfügung stehenden Budgets (das sind bis zu 806 Euro im Kalenderjahr) können für die Finanzierung der Verhinderungspflege verwendet werden. Damit stehen insgesamt bis zu 2.418 Euro pro Jahr für die Verhinderungspflege zur Verfügung. Seit Januar 2016 kann diese sogenannte „Umwidmung“ auch dann eingesetzt werden, wenn die Verhinderungspflege durch nahe Angehörige oder im Haushalt lebende Personen durchgeführt wird.

 

 

Wird während der Verhinderungspflege weiterhin Pflegegeld gezahlt?

Seit dem 1. Januar 2016 wird während der gesamten Dauer der Verhinderungspflege die Hälfte des Pflegegeldes weitergezahlt (bis zum 31.12.2015 wurde die Hälfte des Pflegegeldes nur für 4 Wochen weitergezahlt). Für den ersten und den letzten Tag der Verhinderungspflege wird das Pflegegeld sogar in voller Höhe gezahlt.

 

 

Kann die Verhinderungspflege auch nur stundenweise in Anspruch genommen werden?

Wenn die Pflegetätigkeit durch einen Arztbesuch, einen Behördengang oder eine kurze Erholungsphase für den Pflegenden nur für wenige Stunden unterbrochen wird, können die Kosten der Verhinderungspflege ebenfalls bis zum Höchstbetrag von 1.612 Euro erstattet werden. Tage an denen die Verhinderungspflege weniger als 8 Stunden in Anspruch genommen wird, werden zudem nicht auf den jährlichen Anspruch von 42 Kalendertagen abgerechnet und schmälern Ihren Pflegegeldanspruch nicht. In dieser Zeit erhalten Sie also weiterhin ihr volles Pflegegeld.


 

Quellen: Bundesministerium für Gesundheit, AOK, DAK


Stadtmagazin Landshut Regensburg