Hilfe für pflegende Angehörige: So meistern Sie den Pflegealltag

Über 2 Millionen Deutsche betreuen ein pflegebedürftiges Familienmitglied zu Hause. Das ist nicht nur ein Fulltime-Job, neben körperlicher und emotionaler Belastung, bringt die Pflege eines Angehörigen oft auch hohe Kosten, jede Menge „Papierkrieg“ und natürlich viele offene Fragen mit sich. Hier als Laie den Durchblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. Wir geben Ihnen Tipps an die Hand, mit denen sich die Tücken im Pflegealltag besser meistern lassen.


Foto: Shutterstock

Mit dem Pflegestärkungsgesetz II hat sich der Begriff der Pflegebedürftigkeit grundlegend geändert. Seit dem 1. Januar 2017 erhalten dadurch nicht nur körperlich, sondern auch dementiell erkrankte Menschen gleichberechtigten Zugang zu allen Leistungen der Pflegeversicherung. Maßstab für die Pflegebedürftigkeit ist jetzt, was der Pflegebedürftige selbst noch bewerkstelligen kann und wobei er Hilfe und Unterstützung im Alltag benötigt. Entsprechend dieser Eingruppierung in die Pflegegrade 1 bis 5 fällt die Höhe der Leistungen aus, die die Pflegekasse zahlt.


Wie erhält mein Angehöriger überhaupt einen Pflegegrad?

Wenn Sie merken, dass Ihr Angehöriger immer mehr auf Unterstützung angewiesen ist, können Sie für ihn einen Antrag auf Zuweisung eines Pflegegrades stellen. Ein Anruf bei der zuständigen Pflegekasse genügt und Sie erhalten ein Formular per Post, das Sie ausfüllen und vom Antragsteller bzw. seinem Bevollmächtigten unterschreiben lassen. Im Folgenden wird sich ein Gutachter des Medizinischen Dienstes (MDK) oder einer anderen Organisation ankündigen, um den Antragsteller persönlich zu begutachten und ihn entsprechend seiner Hilfsbedürftigkeit einzustufen.


Wichtig: Stellen Sie den Antrag rechtzeitig! Leistungen können frühestens ab dem Monat bezogen werden, in dem der Antrag gestellt wurde und können nicht rückwirkend erstattet werden.


Was kann ich tun, wenn die Zuweisung eines Pflegegrades verweigert wird?

Nicht verzweifeln – fast jeder dritte Antrag auf die Zuweisung eines Pflegegrades wird zunächst einmal abgelehnt. Ab dem Zugang des Bescheides haben Sie vier Wochen Zeit, um Widerspruch gegen den Entscheid der Pflegekasse einzulegen. Nach Ihrem Widerspruch wird die Pflegeversicherung einen zweiten Gutachter schicken. Kommt auch der zu keinem anderen Ergebnis, bleibt Ihnen noch der Gang zum Sozialgericht. Die Klage kostet nichts, allerdings sollten Sie einen Anwalt und auch einen Pflegesachverständigen einschalten, der für das Recht Ihres Angehörigen kämpft.

 

 

Welche finanziellen Hilfen kann ich beantragen?

Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5, die von nahestehenden Menschen zu Hause betreut werden, können von der Pflegekasse das sogenannte Pflegegeld erhalten, das sie an ihre pflegenden Angehörigen weitergeben können. Die Höhe des monatlichen Pflegegeldes beträgt je nach Pflegegrad zischen 316 und 901 Euro.


Zusätzlich können von der Pflegekasse auch sogenannte Pflegesachleistungen bezogen werden. Davon können beispielsweise Fachkräfte eines ambulanten Pflegedienstes finanziert werden, die die Angehörigen bei der häuslichen Pflege unterstützen. Pro Monat haben Pflegebedürftige je nach Pflegegrad Anspruch auf Sachleistungen in einem Gesamtwert von 689 bis hin zu 1.995 Euro.


Außerdem können sich pflegende Angehörige beim Versorgungsamt darüber informieren, ob der Pflegebedürftige Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis und damit das Recht auf bestimmte Vergünstigungen, wie zum Beispiel die freie Fahrt für Begleitpersonen in Bahn, Bus oder Taxi, hat.


Der Entlastungsbetrag: zusätzliche Angebote zur Betreuung und Entlastung

Pflegebedürftige aller Pflegestufen, die zu Hause gepflegt werden, haben einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Dafür erhalten sie den sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich. Über dieses Budget können nicht nur Regelleistungen der Kurzzeit- oder teilstationären Pflege aufgestockt werden, auch Angebote der hauswirtschaftlichen Versorgung sowie niedrigschwellige Betreuungs-/Entlastungsleistungen können in Anspruch genommen werden.

Dazu gehören insbesondere Betreuungsgruppen für an Demenz erkrankte Menschen, Helferkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger, die Tagesbetreuung in Kleingruppen oder Einzelbetreuung durch anerkannte Helferinnen oder Helfer, Agenturen zur Vermittlung von Betreuungs- und Entlastungsleistungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige sowie vergleichbar nahestehende Pflegepersonen, familienentlastende Dienste, Alltagsbegleiter, Pflegebegleiter und Serviceangebote für haushaltsnahe Dienstleistungen.

 

 

Was kann ich tun, wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht möglich ist?

Können Pflegebedürftige vorübergehend nicht zu Hause betreut werden – etwa, weil die Pflegeperson selbst krank ist oder in den Urlaub fahren möchte – ist eine Kurzzeitpflege eine hilfreiche Option. Im Rahmen der Kurzzeitpflege können Pflegebedürftige, die normalerweise zu Hause leben, für einen kurzen Zeitraum in einer vollstationären Einrichtung wohnen. Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 2 bis 5 erhalten dafür von der Pflegekasse einen Zuschuss von 1.612 Euro für bis zu acht Wochen pro Jahr.


Verhinderungspflege: Eine Auszeit für pflegende Angehörige

Eine Alternative zur Kurzzeitpflege ist die Ersatz- oder Verhinderungspflege: Hier haben Pflegebedürftige die Wahl, ob sie für die Dauer der Verhinderungspflege in einer vollstationären Einrichtung, von einem ambulanten Pflegedienst oder in ihrer häuslichen Umgebung von Angehörigen, Freunden oder Nachbarn gepflegt werden möchten. Die Pflegeversicherung übernimmt die nachgewiesenen Kosten einer Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr, wenn die pflegebedürftige Person mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist. Der Höchstbetrag dafür beläuft sich auf 1.612 Euro.


Ausweitung der Leistungen möglich

Die Kombinationsmöglichkeiten von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sind sehr flexibel und nicht immer nehmen Pflegebedürftige und ihre Familien die Leistungen der Kurzzeitpflege in einem Jahr vollständig in Anspruch. Sind noch Leistungen aus der Kurzzeitpflege offen, können bis zu 806 Euro aus der Kurzzeitpflege für die Kostenerstattung von Leistungen aus der Verhinderungspflege verwendet werden. Damit stehen für die Verhinderungspflege insgesamt bis zu 2.418 Euro zur Verfügung. Umgekehrt können auch Mittel aus der Verhinderungspflege in Höhe von 1.612 Euro für die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden, wenn diese noch nicht verbraucht wurden. In diesem Fall erhöht sich der maximale Anspruch für acht Wochen Kurzzeitpflege auf bis zu 3.224 Euro pro Jahr.

 

 

Kostenlose Informationsangebote

Der Swoboda-Leitner Verlag bietet einen kostenlosen regionalen Ratgeber für altersgerechtes Wohnen und Leben:

  • - Der kostenlose Ratgeber Umsorgt Wohnen bietet alle wichtigen Informationen rund um die neuen Pflegegrade, die Leistungen der Pflegeversicherung, Angebote ambulanter Pflegedienste und verschiedene Wohnformen speziell für die Region Regensburg und Umland. Erhältlich ist die Broschüre beim Swoboda-Leitner Verlag, bei Krankenkassen, Gemeinden, Bürgerbüros und in Krankenhäusern.


Das Bundesministerium für Gesundheit stellt kostenfrei unter anderem folgende Broschüren zur Verfügung, die unter www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen bestellt werden können:

  • - Ratgeber Pflege

  • - Die Pflegestärkungsgesetze – Informationen für die häusliche Pflege

  • - Ratgeber Demenz – Informationen für die häusliche Pflege von Menschen mit Demenz


Bundesweite kostenlose Beratungsnetze

  • - Die gesetzlichen Kassen haben Pflegeberatungsstellen in den Regionen gegründet, z.B. die AOK Regensburg unter der Nummer 0941/79606-236

  • - Im Unterschied dazu hat der Verband der privaten Krankenversicherungen das bundesweite Netz COMPASS mit 200 Pflegeberatern aufgebaut, das bundesweit unter der gebührenfreien Servicenummer 0800-1018800 zu erreichen ist.

    Quellen: Bundesministerium für Gesundheit, Verbraucherzentrale, www.pflege.de

Stadtmagazin Landshut Regensburg