Die neuen Pflegegrade: Wie läuft eine Begutachtung ab?

Wer noch keine Einstufung in einen Pflegegrad hat oder eine Höherstufung des bisherigen Pflegegrades möchte, muss dies bei seiner Pflegekasse beantragen. Sobald dies geschehen ist, beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung oder andere unabhängige Gutachterinnen oder Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Seit 01.01.2017 gibt es hierzu ein ganz neues Begutachtungssystem. Die Gutachterinnen und Gutachter schauen sich die Fähigkeiten eines Menschen in verschiedenen Lebensbereichen umfassend an. Sie fragen danach, was die/der Pflegebedürftige noch selbst im Alltag tun kann und wobei sie/er Hilfe benötigt. Sie berücksichtigen neben körperlichen Beeinträchtigungen auch geistige oder psychische Einschränkungen. Wie die Begutachtung abläuft und worauf Sie achten sollten, erfahren Sie hier.


Sobald ein Antrag auf einen Pflegegrad bei der Kasse eingereicht wurde, meldet sich der Medizinische Dienst der Krankenversicherung im Regelfall binnen zwei Wochen. Der entsprechende Gutachter vereinbart direkt einen Termin mit dem Pflegebedürftigen bzw. mit dem Angehörigen, um den zu Pflegenden zu hause zu begutachten. Dieser Termin dauert zwischen 30 und 90 Minuten.

Zugegeben, das ist nicht sehr viel Zeit, um eine Situation zu erfassen und ein reales Bild zu bekommen. Gerade deshalb sollte man gut vorbereitet sein.

 

Wenn Unterlagen fehlen oder nachgereicht werden müssen, verstreicht unnötig viel Zeit. Deshalb sollten man folgendes organisieren und bereithalten:

  • Zudem kann man sich vorab beim zuständigen Pflegestützpunkt (in Regensburg z.B. Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Ostbayern
    Seniorenberatung ) informieren, was im einzelnen zu beachten ist.

  • Alle wichtigen medizinischen Dokumente zu Erkrankungen und Vorerkrankungen sollten für den MDK bereit liegen. Hierzu gehören Arztberichte und Bescheinigungen, Medikamentenplan, Auflistung der erhaltenen Therapien, Entlassungsberichte aus Krankenhaus oder Reha, Röntgenbilder, MRT, Allergiepaß, Diabetikerausweis, Schwerbehindertenausweis, Vertrag mit Pflegedienst usw.

  • Von allen Dokumenten sollten vorab Kopien erstellt werden, die man dem MDK mitgeben kann. Das erleichtert dem Gutachter seine Arbeit und er kann beim Erstellen des Gutachtens auf die Berichte zurückgreifen und nachlesen.

 

Ablauf der Begutachtung

Als erstes erfasst der MDK-Gutachter die Krankengeschichte des Versicherten, um zu ermitteln, wie der Hilfebedarf entstanden ist und ob und wie der Versicherte aktuell noch behandelt wird. Zusätzlich wird auch aufgenommen, ob und in welcher Dosierung Medikamente genommen werden. Schließlich werden noch die persönlichen Daten, wie Alter, Gewicht, Größe etc. aufgenommen. Sind alle Daten erfasst, steht die persönliche Situation des Begutachteten im Mittelpunkt. Bei diesem Schritt versucht der MDK-Gutachter zu erfassen, wie der Alltag abläuft und bei welchen Tätigkeiten der Versicherte auf Hilfe angewiesen ist. Hierbei werden alle Bereiche des NBA (Neues Begutachtungsassessment;) abgefragt.

 

 

 

 

Was passiert nach der Begutachtung?

Nach der Pflegegrad-Begutachtung bekommt man in der Regel innerhalb von zwei Wochen einen Bescheid der Pflegekasse. Die Rückmeldung beinhaltet das Ergebnis der Untersuchung und die Information, ob ein Pflegegrad vergeben wird und falls ja, welcher Pflegegrad das sein wird. Ist man mit dem Entscheid nicht einverstanden, so hat man das Recht binnen vier Wochen Widerspruch einzulegen. Widerspruch kann der Betroffene, der Bevollmächtigte, ein gesetzlich bestellter Betreuer oder das Pflegepersonal stellen. Hierzu gibt es im Internet zahlreiche Vordrucke zum Download.

Quelle: Bundesministerium für Soziales und Integration


Stadtmagazin Landshut Regensburg