Haus der Musik - Von der Amtsstube zum Kulturpalais

Bayernweit einzigartig sei, was Regensburg mit dem Haus der Musik geschaffen hat, so Dr. Thomas Goppel, MdL, Präsident des Bayerischen Musikrats und Staatsminister a.D., bei seiner Festrede am 20. Februar zur Eröffnungsfeier. Das ehemaligen Präsidialpalais am Bismarckplatz strahlt seit Anfang des Jahres in neuem Glanz und vereint nun die städtische Sing- und Musikschule und das Junge Theater unter einem Dach. Zu verdanken haben die Regensburger dieses Schmuckstück in erster Linie Klemens Unger, Kulturreferent der Stadt Regensburg. Wir haben ihn zu einem persönlichen Gespräch und einen privaten Rundgang durch das Haus der Musik besucht.


Quelle: Stadt Regensburg, Ferstl

Klemens Unger kann seinen Stolz und seine Freude über die Fertigstellung des neuen Haus der Musik kaum verbergen, als ich ihn in seinem Büro im Thon-Dtittmer-Palais zu einem Interview treffe. Wieso auch? Das Haus der Musik am Bismarckplatz ist, allen Unkenrufen zum Trotz, ein Aushängeschild der Regensburger Musik- und Kulturszene geworden und Urvater des Gedanken „Musizieren, singen und spielen unter einem Dach“ ist der Kulturreferent. Bereits 2001 startete er den ersten Entwurf zum Haus der Musik nach dem Wiener Vorbild und einige Jahre später wurde seine Idee als Projektvorschlag in die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010 aufgenommen. Als dann ebenfalls in 2010 das ehemalige Polizeipräsidium zum Verkauf stand konnte er den damaligen Oberbürgermeister Hans Schaidinger und den einstigen Stadtrat von seinen Plänen überzeugen und die Stadt erwarb das Baudenkmal am Bismarckplatz. Ein kluger Schachzug, denn andernfalls würde heute vermutlich eine Bank oder eine Versicherung dort residieren und womöglich die schöne Fassade mit Leuchtreklame verschandeln. Nun ist das ehemalige Polizeipräsidium 2000 Schülerinnen und Schüler ein kulturelles Zuhause.


Doch beginnen wir am Anfang. Der ehemalige Präsidialpalais gehört zu einem klassizistischen Ensemble, der den Bismarckplatz zum wohl schönsten Platz in Regensburg macht. Hier trifft sich Jung und alt. Hier ist die perfekte Kulisse für einen typischen Regensburger Schnappschuss, ebenso wie für sommerliche Veranstaltungen und Konzerte. Die Bauten hat seinerzeit Carl von Dalberg, Fürst- und Erzbischof von Regensburg, in Auftrag gegeben. Er ließ die Stadt durch vier klassizistische Bauwerke modernisieren und veränderte so das zuvor rein mittelalterliche Stadtbild von Regensburg. Den Anfang machte er 1805 mit dem Präsidialpalais, das für den französischen Gesandten am Immerwährenden Reichstag erbaut wurde. Nach der Verwendung als französische Gesandtschaft durchlebte es eine wechselvolle Geschichte, bis es zuletzt als Polizeipräsidium genutzt wurde. Mit der neuen Aufgabe, als Haus der Musik, führt Unger das geschichtsträchtige Gebäude indirekt zurück zu seinem Erbauer. Dalberg nämlich war nicht nur ein Modernisierer des Stadtbildes, er war ebenso ein Vorreiter in der musischen Erziehung. Er gründete 1810 die erste deutsche Musikschule in Aschaffenburg und definierte so die Grundzüge der heutigen Musikschulen: „Die Musikschule ist eine Einrichtung für die Bürger der Stadt, die Besoldung des Lehrpersonals ist festgelegt und Kinder dürfen nicht aus finanziellen Gründen vom Unterricht ausgeschlossen werden“, so Dalbergs Überzeugung. Diese 200 Jahre alten Wesensmerkmale gelten heute noch und sind deshalb auch die Eckpfeiler auf dem unser Haus der Musik gründet.

Das Haus der Musik ist ein Ort an dem junge Menschen miteinander musizieren, Theater spielen und singen und es macht keinen Unterschied aus welchem sozialen Umfeld sie stammen. Für den Kulturreferenten, wie auch für den Leiter der Sing- und Musikschule Wolfgang Graef-Fograscher

und den Theaterintendant Jens Neundorff von Enzberg ist das Haus der Musik „Humus, aus dem junge Talente heranwachsen“, so Unger. Mit diesen Worten machen wir uns nun auf den Weg zum neuen Schmuckstück am Bismarckplatz und schlendern vom Haidplatz, über die Ludwigstraße zur Drei-Mohren-Straße, von wo man einen wirklich schönen Blick auf das ehemalige Polizeipräsidium hat. Apropos Polizeipräsidium: Einige erinnern sich eventuell an die Räumlichkeiten, als hier noch die Polizei untergebracht war. Zu der Zeit hatte das Gebäude, zumindest innen, seinen Glanz völlig verloren. Die historischen Räume wurden zu typischen Amtsstuben degradiert und mit Zwischenwänden verunstaltet und auch sonst wurde der Bau sträflich vernachlässigt. So blieben Folgeschäden nicht aus. Der Dachstuhl war von Moderfäule und von Insekten befallen und die aufsteigende Feuchtigkeit wirkte auf das gesamte Gemäuer zerstörerisch. Eine Mammutaufgabe für Stadt, Architekten und Bauunternehmen. Betritt man nun das altehrwürdige Haus ist es kaum zu glauben, dass hier Aktenschränke den Blick auf Wandmalereien und Stuck versperrten und Bürostühle den wunderbaren ursprünglichen Parkett drangsalierten. Mit viel Fingerspitzengefühl wurde hier altes bewahrt und neues behutsam zugefügt. Das Ergebnis ist eine wunderbare Mischung aus Tradition und Moderne, eine inspirierende Umgebung mit viel Licht und einer fröhlichen Gestaltung. Schüler, Eltern und Lehrer finden nun ein Schulgebäude vor, das einlädt sich kreativ und musisch zu entfalten. Neben den Lehrräumen, sind ein kleiner Konzertsaal für rund 80 Personen, zwei Probesäle – davon ein großer Chorsaal sowie ein Orchester-Probesaal- , ein Theatersaal, ein Tonstudio mit eigenem Regieraum, eine Musikinstrumenten-Ausstellung, eine musiktherapeutische Einrichtung, ein Café und ein wunderschöner Aufenthaltsraum im Haus der Musik untergebracht. Somit hat Regensburg als einzige bayerische Stadt eine Einrichtung, an der die kulturelle Förderung junger Menschen mit so großer Auswahl unter einem Dach vereint ist.

Mit dem Haus der Musik hat Regensburg wieder einmal mehr ein Alleinstellungsmerkmal in Bayern geschaffen und wir dürfen zurecht stolz sein auf unsere wunderbare Domstadt!







Stadtmagazin Landshut Regensburg