Schwerhörigkeit kann Demenz auslösen

Wer im Alter schlecht hört, hat ein stark erhöhtes Risiko an Demenz zu erkranken. Auch Altersdepression und Einbußen der kognitiven Fähigkeiten können die Folge von Schwerhörigkeit sein. Dies belegt eine anerkannte US-Studie und hat auch den Norddeutschen Rundfunk (NDR) dazu bewegt kürzlich in seinem Gesundheitsmagazin „Visite“ ausführlich darüber zu berichten.


Laut einer US-Studie besteht ein Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und der Entwicklung einer Demenz. Amerikanische Forscher beobachteten das Hörvermögen und die geistigen Fähigkeiten von über 639 Menschen zwischen 36 und 90 Jahren im Verlauf von knapp 12 Jahren. Demenzielle Anzeichen wies zu Beginn der Studie kein Proband auf. Während der Beobachtungszeit entwickelte jedoch fast jeder Zehnte (insgesamt 58) eine Demenz, überwiegend vom Alzheimer-Typ. Die Daten-Auswertung ergab, dass die Demenz-Rate mit der Schwere des Hörverlustes stieg. Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker, fordert deshalb, dass Krankenkassen und Ärzte Versicherte und Patienten über 60 Jahren regelmäßig zum professionellen Hörtest auffordern.

"Unbehandelte und unversorgte Schwerhörigkeit kann fatale Folgen haben: Das Gehirn kann sich an den Hörverlust gewöhnen. Deshalb ist es wichtig, möglichst rechtzeitig mit der Hörgeräteversorgung zu beginnen.“ Frickel verweist ebenfalls auf eine kürzlcih ausgestrahlte Sendung des NDR, in der HNO-Ärzte eine unbehandelte Schwerhörigkeit als Hauptrisikofaktor für Altersdemenz und Altersdepression bezeichnen. Einer der im Beitrag gezeigten Fachärzte ist Klaus Hager. Er ist Chefarzt am Zentrum für Medizin im Alter und betont, dass ältere Menschen mit einer starken Schwerhörigkeit ein viermal größeres Risiko haben, an Demenz zu erkranken oder zumindest Einbußen in ihren kognitiven Fähigkeiten zu erleiden. “Schlecht Hören“ ist also nicht nur ein Nachteil im täglichen Leben, sondern verursacht schwere Folgekrankheiten. Die Gründe:

  • Schwerhörige Menschen fühlen sich im Kontakt mit anderen verunsichert und ziehen sich unbewusst zurück.

  • Das Gehirn bekommt somit immer weniger Eindrücke und baut Nervenverbindungen ab.
    Stark schwerhörige Menschen haben laut Klaus Hager ein geringeres Hirnvolumen als gut hörende Menschen.


Hörgeräte können entgegenwirken

Durch das Tragen von Hörgeräten kann man Schwerhörigkeit entgegenwirken. Frickel, selbst Meisterin vom Fach, empfiehlt daher, regelmäßig beim Hörakustiker vor Ort einen Hörtest zu machen, um sicher zu gehen, dass das Gehör funktioniert. Je schneller mit der Versorgung bei einem Hörverlust begonnen wird, umso einfacher und erfolgreicher wird die Nutzung des Hörsystems. Je länger man dagegen wartet, um so schwieriger wird die Umstellung auf das Gerät.

Tatsächlich geht man davon aus, dass rund 15 Millionen Menschen in Deutschland Hörprobleme haben, aber nur 2,5 Millionen tragen ein Hörgerät. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen rasant, stellt der Deutsche Schwerhörigenbund fest und stützt sich in seinen Berechnungen auf eine Untersuchung an der Universität Witten/Herdecke.

Unter den 14- bis 19-Jährigen hören noch 99 Prozent gut, bis zum Alter von 29 Jahren sind es noch 98 Prozent, bis 39 Jahren noch 95 Prozent, bis zum Alter von 49 noch 94 Prozent.
Erst jenseits der 50 steigt die Zahl der Hörgeschädigten stark an, auf 25 Prozent bei den unter 60-Jährigen und 37 Prozent bei den unter 70-Jährigen. Jenseits der 70 ist mehr als jeder zweite schwerhörig.



Stadtmagazin Landshut Regensburg