Afrikatage - Ein Festival des Miteinanders

Kunsthandwerk und Kamele, Trommeln und Tanzen: Die Afrikatage stehen vor der Tür! Vom 13. bis 15. Juli wird auf dem Gelände der Alten Kaserne Landshut fröhlich gefeiert, getanzt und gegessen und das afrikanische Lebensgefühl zum Leben erweckt.


 

 

Kinder reiten auf Kamelen, die Besucher tanzen zu afrikanischer Musik, schlendern über den bunten Basar mit seinen etwa 50 Ständen oder probieren „Foufou“ mit Erdnusscremebutter und andere exotische Köstlichkeiten: Es herrscht eine fröhliche und friedliche Stimmung auf dem Festivalgelände. Das freut vor allem Nourou Dine Issaha, den Vorsitzenden von „Voice of Africa“ (VALA). Sein Verein organisiert zusammen mit Martin Mezger, dem Leiter der Alten Kaserne, bereits zum 17. Mal die Afrikatage. „Afrika ist bunt! Wir möchten Freude vermitteln, mit den Menschen ins Gespräch kommen und eine kulturelle Brücke zwischen Europa und Afrika bauen“, sagt Issaha. „Vor allem möchten wir aber Vorurteile abbauen.“

 

 

Gemeinsam Brücken bauen

Vorurteile gegenüber Schwarzen gab es früher viele. Noch vor 25 Jahren, so Martin Mezger, war ein farbiger Mensch in der Altstadt jemand, nach dem sich die Leute umgedreht haben. „Die Afrikatage sind wichtig, denn sie sind interkulturelle Begegnungsfeste“, sagt Mezger. „Die Menschen sollen sich kennen lernen.“ Auch Nourou Dine Issaha, der ursprünglich aus Togo stammt, wurde mit Vorurteilen konfrontiert. Seit 22 Jahren lebt er in Landshut – und erinnert sich noch gut an die erste Zeit. „Auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Altstadt wurde ich mindestens dreimal kontrolliert. Und in die Disco hat der Türsteher mich nicht reingelassen“, so der 50-Jährige. Das sei mittlerweile besser geworden. Die vermehrte Akzeptanz liege auch an den Afrikatagen, meint Issaha. Mit dem Festival steigen Toleranz, Verständnis und Respekt für den Kontinent und seine Bewohner. „Die Leute sind mir gegenüber aufgeschlossener und freundlicher geworden. Das freut mich sehr.“ Issaha und Team möchten die Berührungsängste verringern und einen Beitrag zum friedlichen Miteinander der Kulturen leisten.

 

 

Buntes Programm

Miteinander feiern und die fremde Kultur kennen lernen: Das gelingt an den Afrikatagen auf vielfältige Weise. Die Veranstalter haben ein tolles Programm für Jung und Alt auf die Beine gestellt. Ob Bastel- und Märchenzelt, Workshops, Marktstände mit Kunsthandwerk oder das bunte Kulturprogramm mit traditioneller afrikanischer Musik, Tanz und Modenschau: Auf den Afrikatagen kann man ein kreatives und abwechslungsreiches Afrika erleben. Um die Vielfalt des Kontinents zu präsentieren, steht dabei jedes Jahr ein anderes Partnerland im Mittelpunkt. „Wir wandern geographisch durch den Kontinent und wählen Länder, die demokratisch auf einem guten Weg sind“, erklärt Martin Mezger.

 

„Land der tausend Hügel“

Gastland in diesem Jahr ist Ruanda. „Viele verbinden mit dem Land den schrecklichen Genozid von 1994“, sagt Jean Pierre Niyonkuru. Der 27-Jährige kommt selbst aus Ruanda und wohnt seit sieben Jahren in Landshut, zusammen mit zwölf weiteren Ruandern. Sie alle entstammen der Kinderhilfe von Dr. Alfred Jahn. Der Landshuter Kinderarzt lebt in Ruanda und setzt sich mit seinem Verein für Kinder und Jugendliche ein, die durch den Völkermord Waisen geworden sind oder deren Eltern sehr arm sind. Die Afrikatage unterstützen unter anderem dieses Projekt. „In den Medien bekommt man oft nur traurige Nachrichten von Afrika zu hören“, sagt Niyonkuru. „Wir möchten zeigen, dass wir eine sehr fröhliche Kultur haben.“ Gut gelaunt hebt er die Arme, dreht die offenen Handflächen und deutet einen traditionellen Tanz aus Ruanda an. „Die besten Tänzer in ganz Ostafrika kommen aus Ruanda!“ So eine ruandische Tanz- und Trommelgruppe kann man am Sonntagnachmittag auf der Bühne sehen. Aber auch die Natur sei wunderschön. „In den Hügeln leben Berggorillas. Man nennt Ruanda das Land der tausend Hügel. Und es ist mittlerweile das sauberste Land Afrikas.“ Für den 12. Juli hat Niyonkuru einen Infoabend in der Rochuskapelle organisiert, zu dem auch der Botschaftsrat Ruandas kommt. „Wir wollen die Probleme nicht unter den Teppich kehren. Aber wir zeigen, dass Ruanda sich positiv entwickelt hat.“

 

Interkulturell und friedlich

Positiv entwickelt hat sich auch die Wahrnehmung des gesamten Festivals. Dauerten die Afrikatage anfangs nur einen Tag und hatten 1.500 Besucher, so sind sie mittlerweile zur größten interkulturellen Veranstaltung Niederbayerns geworden, die ehrenamtlich gestemmt wird. Bei schönem Wetter werden bis zu 30.000 Besucher erwartet. „Es ist ein friedliches Fest – ein Fest der Völkerverständigung“, betont Mezger. Es ist aber vor allem ein gelungenes Fest des Miteinanders und des Helfens: Der gesamte Reinerlös der Landshuter Afrikatage geht an gemeinnützige Projekte in Afrika.

Fotos: Birgit Flory, VALA e.V.

 

 

 


Stadtmagazin Landshut Regensburg